Brillengläser · 16. Oktober 2026
Blaulichtfilter – viel Werbung, wenig Wirkung?
Blaulichtfilter werden als Schutz vor müden Augen, Kopfschmerzen und Schlafproblemen beworben. Wissenschaftlich ist ein überzeugender gesundheitlicher Nutzen bislang jedoch nicht belegt.
Seit Jahren werden Blaulichtfilter in Brillengläsern als Schutz vor müden Augen, Kopfschmerzen und Schlafproblemen beworben. Ich persönlich war von diesen Versprechen von Anfang an nicht überzeugt und habe solche Gläser deshalb auch immer nur ungern verkauft.
Blaues Licht ist ein ganz natürlicher Bestandteil des Tageslichts. Die Sonne liefert uns davon wesentlich mehr als jeder Computerbildschirm. Warum also sollten wir unsere Augen ausgerechnet vor dem blauen Licht unserer Bildschirme schützen müssen?
Eine große wissenschaftliche Übersichtsarbeit der unabhängigen Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2023 untersuchte 17 Studien mit insgesamt 619 Teilnehmern. Das Ergebnis: Ein überzeugender Nutzen von Blaulichtfiltern gegen die Augenbelastung bei Bildschirmarbeit konnte nicht nachgewiesen werden. Auch für einen Schutz der Netzhaut fehlen klinische Belege. Die Ergebnisse zur Verbesserung des Schlafs sind widersprüchlich.
Natürlich werden unsere Augen bei langer Bildschirmarbeit müde. Das liegt aber häufig an zu seltenem Blinzeln, trockenen Augen, einer nicht optimalen Brillenkorrektion oder schlicht an stundenlanger Naharbeit.
Ich habe Blaulichtfilter daher schon immer eher als eine Art Placebo betrachtet. Wer daran glaubt und sich damit wohler fühlt, darf sie selbstverständlich gerne tragen. Das subjektive Wohlbefinden ist schließlich auch etwas wert. Allerdings ist nicht jede empfundene Verbesserung automatisch ein Placeboeffekt.
Was mich stört, ist etwas anderes: Aus einer technisch messbaren Filterwirkung wird ein gesundheitlicher Vorteil gemacht, der wissenschaftlich bislang nicht überzeugend belegt ist.
Mein Grundsatz ist deshalb einfach: Ich möchte meinen Kunden keine zusätzlichen Eigenschaften verkaufen, nur weil sie sich gut vermarkten lassen. Eine gute Brille braucht vor allem die richtige Stärke, hochwertige Gläser und eine sorgfältige Anpassung – nicht möglichst viele Zusatzversprechen.
Alexander Löhr
Dipl.-Ing. (FH) Augenoptik/Optometrie
Der Lensahner Optiker
Wissenschaftliche Grundlage: Cochrane Review zu Brillengläsern mit Blaulichtfilter ↗